Assam oder Oolong?

Reden wir über Tee. Eine der wichtigsten „Drogen“ dieser Welt…Unter Tee verstehen wir den Schwarzen Tee, den Oolong und den Grünen Tee…

Wir starten mit einem legendären Ausspruch…

Als Willhelm II, deutscher Kaiser, nach dem gegen England verlorenen Weltkrieg am 11. November 1918 nach Holland ins Exil ging, sagte er zu seiner Gastgeberin in Amerongen: „Jetzt bringen Sie uns bitte zuerst einmal eine gute Tasse englischen Tee!“ Na prack: Weltkrieg verloren, jetzt trinken wir mal einen englischen Tee (aus Indien), dann schaut die Welt gleich ganz anders aus….Dass der Tee vom Feind kommt, ist auch schon egal…..

Die Wirkung:

Wir bleiben salopp und dekretieren: Der Kaffee, die andere extrem wichtige „Droge“, treibt den Kreislauf an. Eh schon einmal was. Der Tee hingegen treibt das Hirn an. Und nimmt die Hektik, weil man ja in Ruhe nachdenken will. Das Leben mit einem „Espresso“, express also, ist für einen Teetrinker unvorstellbar. Kontemplation ist das Stichwort. Daher gilt der Tee auch als das Diplomatengetränk schlechthin. Die hin und wieder praktizierte Teezeremonie hilft zusätzlich, vom Alltags-Gas wegzukommen…

Wie lange lassen Sie Ihren Tee ziehen?

Das ist keine Glaubensfrage, sondern es kommt auf die Situation an: Brauchen Sie einen schnellen Schuss für ihr nachdenkendes Hirn, dann unter 3 Minuten. (einen TEELÖFFEL Tee pro Tasse). Trinken Sie spät am Abend, dann sollten Sie den Tee etwas länger ziehen lassen, damit sich mehr beruhigende Stoffe im Teewasser lösen können. (Anmerkung: nach 5 Minuten können Sie den Tee beruhigt wegleeren, da ist er bitter und schmeckt nicht mehr gut)

Der Assam:

Assam in Indien ist heute das größte zusammenhängende Teeanbaugebiet der Welt. Der Assam-Tee (ein Schwarz-Tee) ist sehr kräftig und relativ unempfindlich gegenüber hartem Wasser. Das ist für uns im Raum Vöcklabruck schon einmal ein Vorteil. Und man kann, sofern man’s kann, mehrere Assam-Sorten miteinander mischen. Blenden, wie der Teetrinker sagt. Große „Blender“ sind dabei die Ostfriesen. Eine gekonnte Assam-Mischung wird bei uns als „Ostfriesenmischung“ angeboten. Die kann man mit einem Stück Kandiszucker im Mund genüsslich trinken. Dann haut einen nichts mehr um bzw. werden Halbtote wieder lebendig.

Der Oolong:

Da landen wir schon bei den höheren Weihen des Teetrinkens. Was ist ein Oolong? Wenn man den anfänglich grünen Tee trocknet (fermentiert), dann bekommt man einen Schwarztee. Aber jetzt: wenn man den Fermentierungsprozess auf halbem Weg unterbricht, dann bekommt man einen Oolong, einen halbfermentierten Tee. (man könnte auch halbgrün dazu sagen). Dazu sind große Könner aufgerufen, weil man den Abbruch des Fermentierungsprozesses genau erwischen muss. Die besten Oolongs kommen aus Formosa. Oolongs sind bei weitem nicht so stark wie ein Assam, dem Wasser gegenüber etwas empfindlicher und werden pur getrunken, kein Zucker, keine Milch.

Die Entscheidung: Assam oder Oolong?

Dieses Problem stellt sich für Teetrinker nicht: Die Antwort ist Assam UND Formosa-Oolong. Beides liegt in der Teeschublade und wird je nach Stimmung und Laune aufgegossen. Wie konnte die ODER-Frage überhaupt auftauchen?

by maximilian lötsch

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Tee